„Er sucht Sie“ unter Chiffre – lange vor dem Smartphone war die gedruckte Zeitungsannonce der absolute Standard für die Partnersuche. Diese kurzen Texte waren im Grunde die analogen Vorläufer heutiger Dating-Apps und basierten auf demselben Prinzip: über die Distanz mögliche Partner zu finden.
Doch lohnt sich der Blick in das Zeitungspapier heute überhaupt noch, oder hat das Internet diese Romantik endgültig abgelöst? Manchmal hilft der Blick zurück, um die heutigen digitalen Chancen besser zu verstehen. In diesem Artikel schauen wir uns an, was von der klassischen Annonce geblieben ist.
Der Charme von Tinte und Papier: Wie Partnersuche früher funktionierte
Vor der Ära der Smartphones war die Auswahl begrenzt. Wer nicht zufällig im Supermarkt oder im Freundeskreis fündig wurde, musste andere Wege gehen – und der führte meist zum Zeitungskiosk. Die analoge Partnersuche in den abgedruckten Partnerannoncen folgte einem festen Ritual. Woche für Woche studierten Singles die dicht bedruckten Spalten der Kleinanzeigen, oft bewaffnet mit einem roten Stift, um interessante Inserate zu markieren.
Das Konzept der Kontaktanzeigen war simpel, aber für die damalige Zeit revolutionär: Auf wenigen Zeilen versuchten Menschen, ihr Wesen und ihre Wünsche zu komprimieren. Da Bilder fehlten und der Platz teuer war, wog jedes Adjektiv schwer. Diese Worte mussten ausreichen, um ein Bild im Kopf des Lesers zu malen und Interesse zu wecken.
Die Kontaktaufnahme gelang dann über die Zeitung, die die Anzeigen veröffentlicht hat, größtenteils über eine anonymisierte Chiffre-Nr. Die Antworten wurden dann gesammelt an den oder die Autorin weiter geleitet und dieser konnte sich entscheiden, ob er mit einer spezifischen Person mehr in die Tiefe gehen wollte, in der Hoffnung sich zu verlieben und schließlich im Alltag zu treffen.
Gibt es heute noch klassische Kontaktanzeigen für das Dating?
Vielleicht fragst du dich, ob diese romantischen Zeitzeugen überhaupt noch existieren. Die Antwort ist ein klares Ja, aber ihr Lebensraum ist kleiner geworden. Wer am Wochenende die lokale Tageszeitung oder das kostenlose Wochenblatt aufschlägt, findet oft noch eine Rubik zum Thema Bekanntschaften.
Schon 2005, wie der Film „Frau mit Hund sucht Mann mit Herz“ zeigt, verlegten sich die klassischen Zeitungsannoncen allerdings vor allem in das Internet. Viele Verlage haben korrekt erkannt, dass Reichweite heute anders funktioniert, und stellen Inserate oft zusätzlich ins Internet. Das bietet dir als Nutzer eine schnellere Übersicht und mehr Reichweite. Die Zeit bietet zum Beispiel unter kennenlernen.zeit.de ihre moderne Alternative für die abgedruckten Kontaktanzeigen an.
Andersherum haben viele Internet-Plattformen erkannt, dass das Angebot für diese Partnerbörse zu ihrer Dienstleistung passt. So bietet zum Beispiel auch der Ebay Kleinanzeigen Nachfolger Kleinanzeigen.com neben gebrauchten Produkten, Kleidung oder der Abgabe von Haustieren eine eigene Kategorie für die Suche nach Kontakten, Freizeitangeboten und Partnerschaft.
Für wen eignen sich klassische Kontaktanzeigen bei der Partnersuche?
Die Entscheidung für eine klassische Kontaktanzeige ist oft eine bewusste Wahl für einen ganz bestimmten Rhythmus bei der Partnersuche. Unabhängig von der technologischen Entwicklung bietet dieses Format einen geschützten Raum, in dem das geschriebene Wort und die eigene Vorstellungskraft im Mittelpunkt stehen.
Wer diesen Weg wählt, setzt meist auf Qualität statt Quantität und schätzt die Entschleunigung des Kennenlernprozesses, bei dem die Persönlichkeit langsam entfaltet wird.
Für folgende Personengruppen ist dieses Format oft besonders erfolgversprechend:
- Menschen mit Lebenserfahrung: Für reifere Herren oder Damen ist die vertraute Umgebung einer Zeitung oft zugänglicher. Da sich viele von ihnen nicht mit Smartphones und dem Internet auskennen, gibt es in Kontaktanzeigen eine recht hohe Anzahl an Rentnern und älteren Menschen auf der Suche nach Zweisamkeit.
- Liebhaber des geschriebenen Wortes: Wer Freude am Formulieren hat und Niveau sowie Tiefgang sucht, findet hier Gleichgesinnte. Der Fokus liegt darauf, mehr über den Charakter und die Werte des anderen zu erfahren, bevor es zu einem Treffen im eigenen Haus kommt. Oberflächliche Aspekte wie die Farbe der Haare oder Augen sind hier meist weniger relevant. Oft geht es eher um die Frage ob die Persönlichkeiten und Vorlieben eine Chance für eine gemeinsame Zukunft bieten.
- Suchende nach Verbindlichkeit: Wer gezielt eine Partnerin oder einen Partner für eine langfristige Bindung sucht und flüchtige Kontakte vermeiden möchte, profitiert von der Ernsthaftigkeit einer aufgegebenen Anzeige. Diese Singlebörsen sind nicht so stark auf Flüchtigkeit ausgelegt, wie viele Dating-Apps, die mit bloßem Wischen Interesse oder Desinteresse anhand von Bildern ausdrücken. Der Aufwand signalisiert echtes Interesse.
- Diskretions-Liebhaber: Nicht jeder möchte sein Foto sofort auf einer öffentlichen Seite im Internet für alle sichtbar machen. Die Chiffre-Anzeige wahrt die Privatsphäre und ermöglicht ein langsames Abtasten.
Es ist faszinierend zu sehen, dass diese traditionelle Form der Suche auch heute noch Menschen zusammenbringt, die einen besonderen Bezug zu Werten wie Geduld und Beständigkeit haben. Die Freude über eine ehrliche, handgeschriebene oder sorgfältig getippte Zuschrift ist oft intensiver und nachhaltiger. Letztendlich bietet die Kontaktanzeige einer Person die wunderbare Chance, genau das Gegenüber zu finden, das sich ebenfalls Zeit für die wirklich wichtigen Momente im Leben nehmen möchte.
Wie man heute eine Kontaktanzeige erstellt
Du hast dich entschieden, dein Glück selbst in die Hand zu nehmen? Wunderbar! Doch bevor du loslegst, stehst du vor der Wahl des richtigen Mediums. Während früher der Weg zum Kiosk unumgänglich war, hast du heute eine riesige Auswahl im Netz. Doch nicht jede Seite ist gleich gut für jeden Zweck geeignet. Damit deine Suche erfolgreich ist, schauen wir uns die konkreten Schritte und Möglichkeiten an.
1. Die richtige Plattform finden
Die erste Entscheidung ist technischer Natur: Wo willst du inserieren?
- Der Allrounder: Portale wie Kleinanzeigen oder Markt.de sind längst nicht mehr nur für gebrauchte Möbel da. Sie haben eine riesige Kategorie für Bekanntschaften. Der Vorteil: Hier tummeln sich Millionen Nutzer aus allen Gesellschaftsschichten.
- Die Traditionelle: Wenn du Wert auf ein gewisses intellektuelles Niveau legst, ist das Portal der Wochenzeitung „Die Zeit“ eine beliebte Anlaufstelle. Hier suchen oft Menschen, die früher Chiffre-Anzeigen in der gedruckten Ausgabe gelesen haben.
- Die Lokalen: Viele regionale Zeitungsverlage (z.B. Rheinische Post, Münchner Merkur) bieten Online-Ableger ihrer Anzeigenmärkte an. Das ist ideal, wenn dir der lokale Bezug wichtig ist.
Eine gute Seite bietet dir eine klare Orientierung, ist seriös und schützt deine Daten (z.B. durch anonyme Nachrichtenfunktionen).
2. Kategorien und Absichten klar wählen
Sobald du dich für eine Plattform entschieden hast, musst du dich einordnen. Die klassische Sortierung hilft dabei, Missverständnisse zu vermeiden. Meist findest du Rubriken wie:
- „Beziehung“ oder „Er sucht Sie“ / „Sie sucht Ihn“: Der Klassiker für die romantische Verbindung.
- „Freizeit-Partner“: Ideal, wenn du nicht sofort die große Liebe, sondern jemanden für Gespräche, Hobbys oder Reisen suchst.
- „Freundschaft plus“ / „Platonisch“: Hier geht es um Sympathie ohne Beziehungsabsicht.
Wähle die Kategorie, die deinem aktuellen Wunsch am nächsten kommt. Das spart dir und den anderen Suchenden Zeit. Im Internet gibt es zudem viele Unterseiten für spezifische Suchen oder Filterfunktionen, um mögliche Partner einzugrenzen, etwa wenn kein Raucher gewünscht ist oder der Kinderwunsch ein wichtiger Faktor ist.
3. Lokal oder überregional? Der Standort-Faktor
Einer der größten Vorteile digitaler Anzeigen ist die gezielte Umkreissuche. Du kannst genau einstellen, ob du jemanden in deiner direkten Umgebung suchst oder bereit für eine Fernbeziehung bist.
- Ballungsräume: In Städten wie München, Stuttgart oder im dicht besiedelten Nordrhein Westfalen reicht oft ein kleiner Radius von 10-20 Kilometern. Die Auswahl ist hier riesig.
- Ländliche Regionen: Wohnst du eher ländlich, z.B. in weiten Teilen von Bayern oder Brandenburg, lohnt es sich, den Radius zu erweitern.
Gib am besten immer deine Postleitzahl oder die nächstgelegene Großstadt an. Formulierungen wie „Suche im Raum Köln“ oder „Komme aus den Städten an der Ruhr“ helfen Interessenten sofort zu erkennen, ob ein Treffen realistisch ist. Denn sind wir ehrlich: Die schönste Online-Unterhaltung nützt wenig, wenn die Region nicht passt und echte Nähe unmöglich bleibt.
4. Was gehört in die Kontaktanzeige?
Das Textfeld ist leer und der Cursor blinkt – oft ist der Anfang das Schwierigste. Damit deine Anzeige nicht wie eine trockene Bedienungsanleitung klingt, sondern das Herz berührt, brauchst du die richtige Mischung aus Fakten und Gefühlen. Ehrlichkeit ist dabei die absolute Grundlage. Mogelei bei Alter oder Größe fliegt spätestens beim ersten Date auf.
Hier ist eine Checkliste für den perfekten Inhalt:
- Die harten Fakten: Nenne Dinge, die nicht verhandelbar sind. Bist du Raucher oder Nichtraucher? Hast du Kinder oder einen Kinderwunsch? Diese Infos sparen beiden Seiten Zeit.
- Dein Lebensstil: Beschreibe deinen Alltag und deine Freizeit lebendig. Statt nur „naturverbunden“ zu schreiben, erzähle lieber, dass du jede freie Minute im Garten verbringst oder am Wochenende mit dem Hund durch den Wald streifst. Haustiere sind für viele ein wichtiger Sympathiepunkt!
- Deine Leidenschaften: Wofür brennst du? Ist es die Kultur mit Theater und Museen, oder sparst du lieber auf ferne Reisen? Solche Details geben Gesprächsstoff.
- Deine Persönlichkeit: Welche Eigenschaften machen dich aus? Hast du einen ruhigen, besonnenen Stil oder bist du das Energiebündel der Party?
Versuche, jemanden direkt anzusprechen, statt nur von dir zu reden („Ich suche dich für…“). Wähle Worte, die positiv klingen, aber bleibe du selbst. Eine Anzeige mit Ecken und Kanten hat oft etwas viel Anziehenderes als ein glattgebügeltes Profil, hinter dem keine echte Persönlichkeit steckt.
Fazit: Dein Mut zur Suche wird belohnt
Egal ob du den klassischen Weg über das Papier wählst oder dich digital auf die Reise begibst: Wichtig ist nur, dass du überhaupt startest. Deine persönliche Geschichte und ehrliche Worte sind der Schlüssel, um aus der Anonymität herauszutreten und das Singleleben zu beenden. Versteck dich nicht, sondern zeig deine Ecken und Kanten, denn genau die machen dich liebenswert.

